Estland
Am 1. September 1990 – in der gesamten Sowjetunion war der 1. September der Tag für den Beginn eines Schuljahres - konnten in fünf verschiedenen Orten Estlands Kinder in einer Waldorfschule Aufnahme finden. Bald entstanden zu den Schulen auch Waldorfkindergärten. Heute gibt es bei jeder der fünf Waldorfschulen einen Kindergarten. Es sind noch zwei Spielgruppen entstanden und ein Kindergarten bei der Heilpädagogischen Schule.
1996 wurden die Waldorfschulen und Kindergärten von der kommunalen Trägerschaft ausgeschlossen. Einerseits hatte man mehr Freiheit in der pädagogischen Arbeit, anderseits brachte die neue Situation große finanzielle Schwierigkeiten mit sich.
Es fehlte jedoch nicht an Begeisterung für die Waldorfpädagogik und viel gutem Willen. Was fehlte, das war eine genügende Ausbildung der Erzieherinnen in Waldorfpädagogik. Es gab jährlich eine Tagung mit einer Dozentin aus dem Westen, Besuche von Kindergärten in den westlichen Ländern und auch manchen Kurs für Erzieherinnen an dem Seminar für Waldorfpädagogik in Tartu. Aber das ergab nicht eine ausreichende Ausbildung. Ein Problem war auch, dass diese Kurse nicht eine anerkannte Qualifikation erteilen konnten. Nun nach 20-jähriger Bemühung ist es möglich geworden, dass wir einen Waldorfpädagogischen Kurs für Erzieherinnen an der Universität in Tartu durchführen, der den Erzieherinnen eine staatlich anerkannte Qualifikation gibt.
Der Lehrplan konnte von uns selbst in voller Freiheit gestaltet werden. Er wurde mit Hilfe von erfahrenen Menschen aus dem Westen zusammengestellt, die auch als Dozenten für diesen Kurs unentbehrlich sind. Es konnten aber auch Themen von estnischen Erzieherinnen übernommen werden. Mit ca. 50 Teilnehmerinnen ist es der größte Fortbildungskurs in der Universität.
Dass dieser Kurs möglich wurde, ist sicher dem zu verdanken, dass die Waldorfpädagogik in der Öffentlichkeit an Anerkennung gewonnen hat, und dass das Bildungsministerium unseren Lehrplan genehmigte.
Wir hoffen sehr, dass in diesem Rahmen auch weiterhin Kurse stattfinden können. Estland ist klein und hat wenig Einwohner (1.38 Mill.), so dass man kaum ein eigenständiges Seminar für Erzieherinnen wird realisieren können.
Tiiu Bläsi–Käo tiiu.blaesi@gmx.de
Heli Kudu heli.kudu@mail.ee