Ungarn

Seit Gründung des ersten Waldorf-Kindergartens im Jahre 1989 – im Vorfeld der politischen Wende in Mitteleuropa, wächst die ungarische Waldorf-Kindergartenbewegung beständig.
Bereits der erste Kindergarten zog im ganzen Land die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Eltern auf sich, so dass bald in Folge die postgraduale Waldorferzieherausbildung begann.
Seit nunmehr 21 Jahren wird so die Ausstattung der Kindergartengruppen mit qualifizierten Waldorfpädagogen ermöglicht. Gegenwärtig bestehen 45 Waldorf-Kindergartengruppen in unterschiedlicher Trägerschaft und noch immer sind Nachfrage und Gründungswille groß.

Das vom Verein für Waldorf-Kindergartenpädagogik betriebene Fortbildungsseminar ist der bislang einzige Ort, an dem sich in Ungarn die Erzieherinnen auf die pädagogische Arbeit im
Waldorf-Kindergarten vorbereiten können. Der Trägerverein betrachtet es als sein Hauptziel, das Studium und die Vertiefung der Waldorf-Pädagogik zu gewährleisten.
Das Kindergarten-Seminar versteht sich als organischer Teil des weltweiten Kulturimpulses der Pädagogik Rudolf Steiners, so dass die Zusammenarbeit mit Vereinigungen und Zusammenschlüssen auf regionaler, landesweiter und internationaler Ebene gepflegt wird,immer unter besonderer Beachtung der Situationen der ungarischen Waldorf-Kindergärten.
Ziel des Fortbildungsseminares ist die Zusatzqualifikation von diplomierten Erziehern für die ungarischen Waldorf-Kindergärten durch die Ermöglichung zur Aneignung und Vertiefung der für einen Waldorfpädagogen geeigneten Kenntnisse und Fähigkeiten.
Die dreijährige, 900 Unterrichtsstunden umfassende Fortbildung zum Waldorf-Kindergartenpädagogen ist staatlich akkreditiert und steht im Einklang mit dem in Ungarn ebenfalls gesetzlich anerkannten und empfohlenen Programm für Waldorf-Kindergartenpädagogik.
Die Vermittlung der pädagogisch-psychologisch-medizinischen und anthroposophisch-philosophischen Grundlagen wird ergänzt und vertiefend erweitert durch künstlerische und methodisch-didaktische Übungen und Reflexionen sowie die Einführung in den
waldorfpädagogischen Schulungs- und Selbsterziehungsweg.
Die Erzieherinnen gewinnen vor Ort Einblick in das Leben der Waldorf-Kindergärten und erwerben durch Hospitationen und reflexive Aufarbeitung der Praxiserfahrungen in kollegialer Zusammenarbeit ihre eigene waldorfpädagogische Handlungsfähigkeit.
Die Komposition von Curriculum und Studienplanung des Seminars berücksichtigt den initiativen Selbstlernprozess der Seminaristen, indem Themenschwerpunkte in rhythmischer Folge eingeführt, künstlerisch vertieft sowie Handlungsansätze erprobt und reflektiert werden.
Im Dreijahres-Zyklus wird die waldorfkindergartenpädagogische Fortbildung mit monatlich je einem langen Wochenende und einer Intensiv-Studienwoche im Sommer durchgeführt.
Die Absolventen erstellen im dritten Jahr eine Facharbeit als Qualifikationsnachweis.
Zukunftsausblick:
Die bestehenden sowie initiierten Waldorf-Kindergärten und ihre Erzieherinnen brauchen gut ausgebildete und in der Waldorf-Pädagogik erfahrene Mentoren und Fachberaterinnen.
Angesichts dessen plant der Trägerverein des Seminars die erneute Akkreditierung und Durchführung der Mentorausbildung, integriert in das ungarische Fortbildungssystem, das alle sieben Jahre eine Erneuerung pädagogischer Diplome vorschreibt.

Ivaskó Ilona (Fachliche Leitung)