Krise im Kindergarten
NEUER BERICHT DER AMERIKANISCHEN
ALLIANCE FOR CHILDHOOD
Unsere Internationale Vereinigung ist in der Alliance for Childhood seit ihrer Gründung Ende der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts sowohl in Europa als auch in Nordamerika tätig. Die Alliance hat kürzlich einen neuen Bericht - „Krise im Kindergarten“ - herausgegeben, das Ergebnis dreier eindrucksvoller Forschungsprojekte in den USA.
Dieser Bericht liefert wertvolle Forschungsergebnisse für diejenigen, die sich bemühen um den Schutz der Kindheit vor dem wachsenden weltweiten Trend zur Einführung von formalem Unterricht und akademischem Lernen in immer jüngerem Alter. Nachstehend ein paar Auszüge aus dem Bericht:
„Der Kindergarten hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten radikal verändert. Die Kinder verbringen jetzt viel mehr Zeit damit, in literarischen und mathematischen Fähigkeiten unterrichtet und geprüft zu werden, als dass sie durch Spiel und Erkundung, körperliche Aktivität und phantasievolle Kreativität lernen. Viele Kindergärten benutzen vorgeschriebene Lehrpläne, die mit neuen staatlichen Standards und standardisierten Prüfungen verbunden sind.
In einer wachsenden Zahl von Kindergärten müssen die Kindergärtnerinnen einen schriftlichen Plan befolgen, von dem sie nicht abweichen dürfen. Diese Verfahren, die in der Untersuchung nicht gut begründet sind, widersprechen lange bestehenden Prinzipien über eine gesunde Entwicklung des Kindes und einer guten Unterrichtspraxis.
Es wird immer klarer, dass sie sowohl die Gesundheit der Kinder als auch deren Langzeitaussichten auf Erfolg in der Schule gefährden.“
„Die letzte Untersuchung zeigt, dass an einem normalen Tag die Kinder in Ganztageskindergärten vier- bis sechsmal so viel Zeit mit literarischem oder mathematischem Unterricht oder bei Prüfungen oder deren Vorbereitung verbringen (etwa 2 bis 3 Stunden pro Tag) als beim Freispiel oder „Wahlzeit“ (30 Minuten oder weniger).“
„… der Kindergarten ist in einer Krise.“
„Untersuchungen, die 50 spielorientierte Gruppen mit 50 früh-lernenden Zentren verglichen haben, stellten fest, dass im Alter von 10 Jahren die Kinder, die gespielt haben, die anderen in einer Unmenge von Eigenschaften übertrafen. Sie waren fortgeschrittener im Lesen und Rechnen und sie waren besser sozial und emotional in der Schule eingebunden. Sie zeichneten sich durch Kreativität und Intelligenz, mündlichen Ausdruck und Arbeitseifer aus.“
“Neue Ergebnisse der Forschung zeigen, dass didaktisches Lernen und Prüfungen das Spiel aus dem Kindergarten herausdrängen. Die Kinder- gartenkinder sind jetzt unter starkem Druck, unangemessenen Erwartungen zu entsprechen, einschließlich akademischer Standards, die bis jetzt für Erst- und Zweitklässler gedacht waren. Diese Erwartungen und die Verfahrensweisen, die daraus hervorgehen, haben die Möglichkeiten für imaginatives, kindgerechtes Spiel im Kindergarten stark eingeschränkt und in manchen Fällen ausgelöscht.“
„Die Forschung hat nachgewiesen, dass Kinder, die sich mit komplexen Formen von sozio-dramatischem Spiel beschäftigen, größere Sprachfähigkeiten haben als Nichtspieler, besseres Sozialverhalten, mehr Einfühlungsvermögen, mehr Vorstellungskraft und mehr von der scharfsinnigen Fähigkeit besitzen, zu wissen, was andere meinen. Sie sind weniger aggressiv und zeigen mehr Selbstkontrolle und höhere Denkfähigkeiten. Tieruntersuchungen weisen darauf hin, dass sie größere Gehirne mit komplexeren neurologischen Strukturen haben als Nichtspieler.”
Susan Howard
KRISE IM KINDERGARTEN ist in englischer Sprache durch die Website der Alliance for Childhood unter www.allianceforchildhood.org erhältlich.